Ägyptens Präsident will mit Wirtschaftsaufschwung aus der Krise
Ägypten´s Staatschef Al-Sissi, Präsident und Möchtegern-Pharao in einer Person, war zu Gast in Deutschland. Und um von den immer schlimmeren Zuständen im Reich am Nil abzulenken, klingelte erst einmal finanziell die Kasse. So schaffte es Al-Sissi, zahlreiche große Aufträge an Bord zu ziehen. So baut Siemens in Ägypten neue Gas- und Windkraftwerke im Wert von rund acht Milliarden Euro und verzeichnet damit den bisher größten Auftrag in seiner langen Unternehmensgeschichte. Die Verträge wurden im Beisein von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) unterzeichnet. Die Regierung Al-Sissis ist wegen Menschenrechtsverletzungen mehr als nur umstritten. „Mit diesen noch nie dagewesenen Verträgen unterstützen Siemens und seine Partner die wirtschaftliche Entwicklung Ägyptens“, erklärte Siemens-Chef Joe Kaeser. Der Auftrag umfasst die Lieferung von zwölf Windparks; für die Fertigung der Rotorblätter werden in der Region bis zu 1.000 Ausbildungs- und Arbeitsplätze geschaffen, so Ägyptens Wirtschaftsminister.
Politisch ist Al-Sissi eine fragwürdige Figur
Desweiteren ist der Bau von drei Gaskraftwerken geplant. Aufträge für diese Kraftwerke mit modernen Gasturbinen bekommt Siemens momentan nur im Ausland, da in Europa und auch in Deutschland Flaute herrscht. Siemens plant deshalb einen weiteren Abbau Tausender Arbeitsplätze, davon 2.200 in Deutschland. Politisch war Al-Sissis Besuch in Berlin nicht so erfolgreich. Seine Pressekonferenz mit Angela Merkel mündete in einem handfesten Eklat, als eine als Journalistin verkleidete Frau ihn als „Mörder“ titulierte. Ganz Unrecht hat die Frau wohl nicht, denn nicht nur echte und vermeintliche Islamisten verschwinden immer zahlreicher in den Gefängnissen des Landes. Das Kanzlerin Merkel, die sich z.B. seit Beginn ihrer Kanzlerschaft von anderen Potentaten wie Assad in Syrien immer fernhielt, nun plötzlich mit Figuren wie Al-Sissi Geschäfte macht, dürfte in erster Linie mit der Angst vor dem erstarkenden „Islamischen Staat“ zu haben. Al-Sissi gilt als das kleinere Übel. Ob diese Rechnung auf Dauer aufgeht, darf aber mehr als bezweifelt werden.
Antiquitätenraub macht Ägypten zunehmend Sorgen
In Ägypten ist die Zunahme von Kunst- und Antiquitätenräuberei mittlerweile zu einem echten Problem geworden. Hinter dem vermehrten Diebstahl von historischen Schätzen stecken vor allem wirtschaftliche Gründe: Seit der Revolution im Jahre 2011 ist der Tourismus in Ägypten teilweise dramatisch eingebrochen. Während sich die Lage an den Stränden des Roten Meeres inzwischen wieder stabilisiert hat, sieht es jedoch an den Kulturstätten von Kairo und den nahegelegenen Pyramiden immer noch düster aus – hier ist die Anzahl der Besucher um 90 Prozent zurückgegangen, viele Menschen, die bisher stets vom Tourismus gelebt haben, müssen ums Überleben kämpfen. Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass manche Verzweifelte versuchen, ihre Familien durch Verkauf von Raubkunst ernähren.
Einbrüche in Museen und illegale Ausgrabungen
Schon in den Revolutionswirren begann der Trend: Anfang 2011 brachen Menschen ins berühmte Ägyptische Museum ein und stohlen mehr als 50 Exponate, von denen die meisten aber inzwischen wieder in Händen des Staates sind. Häufiger als Museumseinbrüche kommen jedoch illegale Asugrabungen vor: 40 km südlich von Kairo, in Abu Assi, hat beispielsweise eine Bande von sieben Einwohnern einen Tempel ausgegraben und über 3000 Jahre alte historische Schätze freigelegt. Die Antiquitäten – Säulen, Stelen und Statuen – sollten unter der Hand verkauft werden. Die Beteiligten wurden verhaftet, was jedoch nur eine Ausnahme darstellt – denn oftmals kommen die Räuber davon und können die Relikte aus der Pharaonenzeit auf dem Schwarzmarkt loswerden. Verkauft werden die Kunstschätze hauptsächlich in die Vereinigten Staaten, aber auch andere westliche Länder. Immerhin hat man sich in Washington bereits bereit erklärt, mit den Ägyptern zusammenzuarbeiten um die Schätze zurück in die Heimat zu bringen.





