Tutanchamuns Totenmaske mit Klebstoff repariert?
Er ist der wohl bekannteste Pharao des altes Ägyptens: Tutanchamun, Herrscher der 18. Dynastie aus dem 14. Jahrhundert vor Christus. Seine Popularität verdankt er hauptsächlich seiner weltberühmten goldenen Totenmaske, im Jahre 1922 von dem Briten Howard Carter ausgegraben, heute Exponat im Ägyptischen Museum von Kairo und eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Landes. Und nun das: Eben diese Maske soll Reinigungskräften des Museums in Juni 2014 beim Saubermachen heruntergefallen sein, wobei der stolze Spitzbart des Tutanchamun abgebrochen sei. In einer überstürzten Nacht-und-Nebel-Aktion, damit die Öffentlichkeit nichts erfährt, sei er daraufhin schnell wieder angeklebt worden – mit schnell klebendem Kunstharz, das für antike Schätze von Weltbedeutung recht ungeeignet ist. Die sichtbaren Reste des Klebers seien kurzerhand weggespachtelt worden, nicht ohne Kratzer am Antlitz des Pharaos zu hinterlassen.
Museumsdirektor bestreitet den Unfall
So berichten es anonyme Mitarbeiter des Museums unabhängig voneinander der Nachrichtenagentur AP. Der Direktor des Museums, Mahmoud El Hawagy, der erst seit Oktober im Amt ist, bestreitet den – für das Museum außerordentlich peinlichen – Vorfall jedoch. Er wittert in den Berichten sogar eine Verschwörung: Warum sonst hätten die Mitarbeiter mehr als ein halbes Jahr gewartet, den Vorfall der Öffentlichkeit zuzuspielen? Auch die Restauratoren des Museums wehren sich gegen die Behauptungen und hat eine eigene Erklärung für das Foto, auf dem man die Tat angeblich sieht. Das Museum sei dem Barte des Propheten präventiv mit Kleber zu Leibe gerückt, damit er nicht irgendwann von selbst abfallen würde. So oder so: Tutanchamun und sein Bart sind weltweit in den Medien – und für Touristen gibt es nun einen weiteren Grund, das Ägyptische Museum zu besuchen: Kann man Spuren des Unfalls erkennen oder nicht?
Neue archäologische Funde: Königinnengrab und Wandmalereien
Für die Archäologen der Welt beginnt das Jahr 2015 mit einem echten Paukenschlag: In Ägypten wurden innerhalb von wenigen Tagen gleich zwei spektakuläre Funde gemacht: Das Grab einer bisher unbekannten Königin und Wandmalereien, die über 3500 Jahre alt sind.
Bisher unbekannte Königin entdeckt
Das Königinnengrab wurde Anfang der Woche bei Ausgrabungen im Südwesten von Kairo entdeckt. Es handelt sich, wie die Grabinschrift zeigte, um eine gewisse Khentakawess III. Dem Archäologenteam gelang damit ein spektakulärer Fund, denn die Dame war der Wissenschaft bisher unbekannt. Die Forscher spekulieren nun, dass es sich bei ihr um die Gattin von Pharao Neferefne handelt, in dessen Grabanlage sich auch die Ruhestätte der Pharaonin befand. Neferefne herrschte vor 4500 Jahren in der sogenannten 5. Dynastie, über die bisher nur wenig bekannt ist. Die Wissenschaft erhofft sich nun neue Erkenntnisse über diese Epoche.
Zwei Götter geben sich die Ehre
Am Mittwoch dieser Woche gelang einem schwedischen Archäologen-Team dann der nächste Ausgrabungscoup: In einem Steinbruch im Süden Ägyptens entdeckten sie eine Reihe faszinierender Wandmalereien. Diese sind zwar „nur“ 3500 Jahre alt, aus der Zeit der Dynastie von Pharaonin Hatschepsut, aber wissenschaftlich hochspannend. Denn eine Abbildung zeigt den Götterkönig Ammun-Re gemeinsam mit dem Mondgott Thot – diese Kombination sei laut dem ägyptischen Antiken-Museum eine echte Seltenheit. Es bleibt abzuwarten, was für großartige archäologische Funde der Rest des Jahres 2015 Ägypten und der Welt noch beschert.
Archäologie: Neue Erkenntnisse über die Schulzeit im Alten Ägypten
Das Ägypten der Frühzeit gehört wohl zu den faszinierendsten Hochkulturen der Menschheitsgeschichte. Doch während wir beispielsweise über die Religion der damaligen Zeit oder die Pharaos zwar inzwischen einiges wissen, geben uns gerade viele Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens noch einige Rätsel auf. Doch nun haben Historiker aus antiken Papyri neue Erkenntnisse über den Alltag in einer wichtige Epoche im Leben gezogen: Die Kindheit und die Jugend der Ägypter. Die entsprechenden Aufzeichnungen stammen aus dem großen Papyrus-Fundus von den uralten Müllkippen des Ortes Oxyrhynchos, der in der damaligen Zeit eine Art Verwaltungshauptstadt darstellte, wo entsprechend viel „Papierkram“ produziert wurde.
Die Elite besuchte das Gymnasion
Zunächst sei gesagt: So groß, wie man erwarten würde, sind die Unterschiede zwischen der altägyptischen und unserer modernen Gesellschaft gar nicht. Denn damals wie heute hatten Kinder aus finanziell besser gestellten Familien größere Chancen im Leben. Ab dem Alter von 14 Jahren konnten Söhne wohlhabender Eltern (Töchter blieben außen vor) das sogenannte Gymnasion besuchen. Hier standen beispielsweise Philosophie, Mathematik oder Sport auf dem Stundenplan. Vor allem aber wurden die privilegierten Jungs schon auf ihre kommenden Führungspositionen in den ägyptischen Städten vorbereitet. So lernten sie, Reden zu halten und verinnerlichten wichtige gesellschaftliche Werte. Die Freundschaften, die dabei geknüpft wurden, dienten als „Networking“ für die Zukunft, wenn die Knirpse Führungspositionen inne haben würden.
Die meisten Jugendlichen gingen in die Lehre
Einen Platz im Gymnasion bekamen nur Kinder, dessen Eltern der „Zwöf-Drachmen-Steurklasse“ waren, was auf 10-25% der Bevölkerung zutraf. Die anderen Kinder mussten Ausbildungen antreten, beispielsweise für handwerkliche Tätigkeiten, was bis zu vier Jahre in Anspruch nahm. In Oxyrhynchos gingen viele in die Lehre, um Weber zu werden – dieser Industriezweig war hier sehr stark. Auch Sklaven unterschrieben übrigens Arbeitsverträge, nur dass sie statt zu Hause bei ihren Lehrherren wohnten.
In den Müllbergen von Oxyrhynchos finden sich noch viele Schätze für Historiker und Archäologen: Neben offiziellen Aufzeichnungen auch Briefe, Keramikwaren und sogar Spielzeuge aus verschiedenen Jahrhunderten. Die Chancen stehen also gut, dass wir in den nächsten Jahren noch mehr über diese faszinierende Kultur lernen werden.





