Erneute Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz

Erstellt am 11. April 2011, 10:25 Uhr

Am Freitag hatten sich hunderttausende Menschen auf dem Tahrir-Platz versammelt, es war die größte Versammlung seit den Protesten im Januar und Februar. Die Demonstranten, darunter auch Offiziere der Armee, forderten zum Einen den Rücktritt des Hussein Tantawi, den Vorsitzenden des Militärrates. Dieser war schon bei Demonstrationen am 01. April als Diktator bezeichnet worden, der Teil und Nutznießer des korrupten Regimes unter Mubarak gewesen sei und die Revolution zu unterlaufen versuche. Zum Anderen sollen schnellere Gerichtsverfahren gegen Mubarak sowie die Anhänger des Mubartak-Regimes stattfinden, da man ihnen Amtsmissbrauch vorwerfe. Auch wurde die Auflösung der NDP-Partei gefordert.

Wie die Tagesschau berichtet, kam es zu Straßenschlachten zwischen den Demonstranten und Sicherheitskräften. Dabei wurden viele verletzt und mindestens ein Mensch getötet. Die Militärpolizei sei mit scharfer Munition, Tränengas und gepanzerten Fahrzeugen auf dem Tahrir-Platz aufgelaufen um den Protest aufzulösen.
Viele seien daraufhin in eine nahe gelegene Moschee geflüchtet und verharrten dort stundenlang, während Soldaten das Gebäude umstellten. Später erschien eine Erklärung des Militärs, in der die Demonstranten als Gesetzlose bezeichnet wurden, die sich gegen das nächtliche Ausgangverbot hinweggesetzt und die Ausschreitungen provoziert hätten. Dass es Verletzte und sogar Tote bei den jetzigen Ausschreitungen gegeben habe, wurde dementiert.

Ob der Räumungsaktion verblieben viele Demonstranten über Nacht auf dem Tahrir-Platz bis zum Morgen, um ihrem Ärger über den Militärrat Luft zu machen und ihrem Ruf nach weiteren Reformen Nachdruck zu verleihen. Sie kündigten an, erst dann den Tahrir-Platz zu räumen, sobald Tantawi abdanke.
Menschenrechtler, darunter die Organisation Amnesty International, halten dem Militär einen ungerechtfertigten und krassen Einsatz von Gewalt vor.

Seit einigen Wochen wehren sich Demokratieanhänger gegen die anhaltenden Verhaftungen von Aktivisten, auch wenn die Streitkräfte solch ein Verhalten abwehren.
Bei den jetzigen Demonstrationen seien nach Augenzeugenberichten auch einige jener Offiziere verhaftet worden, die sich über das Verbot zur Teilnahme an den Protesten hinweggesetzt hatten.