Faszination Ägypten

Industrie Ägyptens

Die industrielle und wirtschaftliche Lage Ägyptens haben sich seit dem Jahr 1974 grundlegend gewandelt. Infolge der von Präsident as-Sadat eingeleiteten Liberalisierung der Wirtschaft und Reprivatisierung von Unternehmen und der allgemeinen Öffnung nach Westen, dank der Erschließung neuer Rohstoffquellen, der starken Zunahme der Erdölexporte, der wachsenden Einnahmen aus dem Suezkanal und dem weiteren Ausbau des Tourismus ist das Bruttosozialprodukt bis 1982/85 real um 9 %, 1985/86 um 5,9 % gestiegen.

Präsident Mubarak hat der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes nicht weniger Interesse beigemessen als sein Amtsvorgänger. Die Erdölförderung von durchschnittlich 45 Mill. im Jahr hat Ägypten zu einem mittleren Produzenten aufsteigen lassen, und sie bildete bis zum Golfkrieg zusammen mit den Überweisungen ägyptischer Gastarbeiter in den Ölländern die wichtigste Deviseneinnahme des Landes. Öl- (und auch Gas-)vorkommen wurden später auch in Unterägypten und in der westlichen Wüste (Abu Gharadik) erschlossen, besonders in El-Alamein, und im Faijum.

Bereits Anfang der 60er-Jahre wurde auf dem Sinai Kohle gewonnen, später auch Mangan. Am Roten Meer und im Wadi el-dschedid (Neuen Tal) sind bei Abu Tartur Phosphate aufgedeckt, in der Oase Bahrija Eisenerz, in Oberägypten Bauxit (Aluminium). Vorkommen von weiteren Mineralien im Land, darunter Uran, unterliegen noch der Prüfung auf ihre Abbauwürdigkeit. Dank moderner Technik könnte auch die Goldschürfung wieder erfolgreich sein. Die Eisenerzlager von Assuan werden am Ort durch eine staatliche Elektro-Eisenhütte verwertet, die ebenso wie ein Stickstoffwerk mit Wasserkraft arbeitet. Die Turbinen des Sadd el-ali, des Hochdamms von Assuan, können bei voller Leistung an Wasserkraftenergie zur Verarbeitung der Rohstoffe jährliche 10 Mrd. Kilowattstunden liefern. Auch die moderne Aluminium-Schmelze in Nag Hammadi bezieht ihren Strom von dort. Bei Heluan, wo Deutschland in den 50er-Jahren neben einer Ingenieurschule ein Stahlwerk errichtete, das, mit sowjetischer Hilfe erweitert, zum größten Eisen- und Stahlkombinat auf afrikanischem Boden angewachsen ist, blüht Ägypten beachtliche Schwerindustrie.

Die bedeutendsten Zentren der Industrie liegen bei Alexandria, Damiette und Mahalle el-Kubra im Delta, bei Kafr ed-Dawar, 27 km südöstlich von Alexandria; zwischen Kairo und Heluan, bei Suez und am Ostrand des Faijums. Die wichtigsten Produktionszweige der Industrie sind: Nahrungsmittel, Textilien, Tabak und Zigaretten, Aufbereitung von Baumwolle und NE-Metallerzeugung. Die Düngemittelfabriken und die Zuckerindustrie sind weiter im Wachsen.